„Ihre Spiritualität bereichert“
Kolumne in der Rheinischen Post vom 27.06.2026 bezüglich der ablehnenden Haltung aus Rom auf die Anfrage zu "Predigt von gut ausgebildeten Laien in der Messfeier"
Die römische Antwort, es könne keine Sondergenehmigung für die Predigt von Laien in der Messfeier geben, wurde wahrscheinlich von einigen wenigen erfreut zur Kenntnis genommen, für die große Mehrheit der katholischen Christen in Deutschland ist sie jedoch eine große Enttäuschung.
Da die Frage in Rom nach einer Sondergenehmigung für die Predigt von gut aus gebildeten Laien auf einen Beschluss des Synodalen Weges zurück geht, wiegt die Enttäuschung umso schwerer, da die römische Ablehnung zeigt, dass es mit der Transformation hin zu mehr Synodalität in unserer Kirche noch einen langen Weg vor sich hat. Was bleibt, nachdem ich die Enttäuschung „weggeatmet" habe? Einmal die alte Weisheit: „Wer fragt, riskiert eine Antwort, die er nicht wünscht." Ich ahne, dass es nicht klug ist, unsere deutsche Situation mit – in der Tat gut als Predigerinnen bzw. Predigern ausgebildeten Laien – zum Ausgangspunkt für eine Frage an die „Zentrale" zu machen, die eben auch ganz andere kirchliche Situationen, in Südamerika, Asien und Afrika im Blick hat.
Solange „Rom" sich als Aufsicht für weltweit gleiche Standards versteht, ist nicht zu erwarten, dass eine für uns in Deutschland, oder Westeuropa, für andere Weltregionen jedoch vielleicht gar nicht sinnvolle Regelung genehmigt wird. Aus dieser Überlegung ergibt sich eine zweite Notwendigkeit. Die weltweite katholische Kirche lebt in vielen unterschiedlichen gesellschaftlichen Situationen mit je verschieden geprägten politischen, ökonomischen und historischen Hintergründen. Es ist unvorstellbar, dass ein weltweit gleiches kirchliches Konzept vor den differenzierten Hintergründen echte Zeitgenossenschaft möglich macht. Kurz: wenn Kirche auch künftig in Ländern und Kontinenten eine relevante Rolle spielen will braucht es lokal angemessene kirchliche Handlungskonzepte, lokale Entwicklungen müssen gefördert und Spielräume für „lokale" Entscheidungen eingeräumt werden. Daher: war es wirklich nötig, „Rom" nach einer Predigterlaubnis für Laien zu fragen? Nicht nur in unserem Bistum Münster, in vielen weiteren ist es doch seit Jahren gute Praxis, dass Pastoralreferentinnen und Pastoralreferenten den Predigtdienst am Sonntag übernehmen. Ihre Spiritualität bereichert. Das erlebe ich immer wieder ganz konkret in unseren Gottesdiensten – für mich weitaus wichtiger als eine „Erlaubnis" aus Rom.